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Alwines Puppen

Kostümgeschichte en miniature

Die Sammlung der Mode- und Trachtenpuppen des Kulturhistorischen Museums Magdeburg

Die Ausstellung ist ab dem 1. Dezember 2023 bis zum 20. Mai 2024 zu sehen. 

Alwines Puppen Plakat


1905 schenkte die wohlhabende Industriellengattin Alwine Arnold (1848–1907) ihrer Heimatstadt Magdeburg eine umfangreiche Sammlung von Kostüm- und Trachtenpuppen sowie Trachten in Originalgröße für das neu zu eröffnende Kaiser Friedrich Museum, heute Kulturhistorisches Museum Magdeburg. Alwine Arnold war die Tochter des erfolgreichen Gründers und Industriellen Christian Budenberg in Magdeburg-Buckau, ältere Schwester der Unternehmerin und Maschinenfabrikantin Selma Rudolph und eine bedeutende Mäzenin des Museums. Ihr Mann Otto leitete nach dem Tod von Alwines Vater die Manometer-Fabrik Schäffer & Budenberg und brachte das Unternehmen zu Weltruhm.

Um sie vor dem Verschwinden zu bewahren, sammelten und dokumentierten Wissenschaftler und private Sammler im 19. Jahrhundert historische Kostüme und Trachten in verschiedenen Regionen Deutschlands und Europas. Bebilderte Publikationen hierzu erschienen zahlreich und waren weit verbreitet. So verwundert es nicht, dass Trachten und Kostüme um 1900 auch in die Sammlungen von Museen und deren Ausstellungsräume gelangten. In diesem Zusammenhang sind auch die Mode- und Trachtenpuppen zu sehen, die als Modelle geschaffen wurden und detailgetreu die Originale nachahmen. 1905 eröffnete das Germanische Nationalmuseum Nürnberg seinen großen Trachtensaal. Noch im selben Jahr wurde auch die Arnoldsche Sammlung von Trachten und Modellpuppen in Magdeburg präsentiert.

Aus bürgerlichem Blickwinkel verkörperten Trachten in romantischer Verklärung eine heile ländliche Gegenwelt zu Industrialisierung und Verstädterung. Mit den weit verbreiteten Abbildungen in kostüm- und trachtengeschichtlichen Publikationen und den Museumssammlungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts manifestierten sich Stereotype, die so nicht der Realität entsprachen.

Anders als Spielpuppen, deren Kleider Kinderhänden und regelmäßigem An- und Ausziehen standhalten müssen, erfüllten Kostüm- und Trachtenpuppen eine andere Funktion. Sie waren Sammlerstücke, Erinnerungsobjekte, Ausstellungsexponate oder wertvolle Geschenke. Ihre Kleidung orientierte sich an der exakten und vollständigen Miniatur der Originale, inklusive Unterwäsche, Schuhe, Schmuck und Frisuren.

Museumsbesucher des 21. Jahrhunderts verzaubern die Puppen in den Modellkostümen vor allem durch die künstlerische, individuelle und ausdrucksstarke Gestaltung ihrer Gesichter und die Detailgenauigkeit und Detailvielfalt der Kleider im Miniaturformat. Jede Puppe ist ein kleines Individuum. Die Arnoldsche Sammlung als Ganzes ist in ihrer Qualität und ihrem Umfang, verknüpft mit der frühen Entstehungszeit, einmalig.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch mit Fotografien von Charlen Christoph.

Paar in Mönchguter Tracht von der Insel Rügen

/// Paar in Mönchguter Tracht von der Insel Rügen

Puppe in Rokoko-Kostüm, Detail

/// Puppe in Rokoko-Kostüm, Detail

Puppe im Renaissancegewand eines Patriziers oder Ratsherrn

/// Puppe im Renaissancegewand eines Patriziers oder Ratsherrn

Puppen-Paten zur Restaurierung gesucht!

Mehr als 80 Puppen gehören zu der Schenkung, die Alwine Arnold der Stadt Magdeburg vermachte. Zu ihrer Sammlung zählen Modepuppen in Gewändern vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Außerdem Trachtenpuppen aus verschiedenen Regionen Europas.

Leider hat an einigen Puppenkleidern der Zahn der Zeit genagt. Insbesondere die empfindlichen Seidenstoffe müssen von einer Textilrestauratorin gesichert werden. Daher sucht das Museum nach Puppenpaten, die sich als Einzelperson, Familie oder Institution für die Restaurierung engagieren möchten.

Infos zu Puppenpatenschaften: Sabine Ullrich, Kuratorin der Kunstsammlungen, KHM, saCCbilw0h2neEVWi.uIll0lfDlrivzqGWchrx@mYcFzjusQwNW2eeUp0Wn.4SL5Bma0Magd3S0AebFxXdurOg.ndeO, Tel. 0391 540 3520

Fotos: KHM, Charlen Christoph         

Die Ausstellung wird gefördert von der Stiftung Kloster Unser Lieben Frauen.

 Stiftung Kloster unser lieben Frauen