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Magdeburg-Domplatz
805 - Die Ersterwähnung Magdeburgs
In den mehr als 30 Jahren andauernden Sachsenkriegen (772-804) fiel auch
das Mittelelbegebiet an das Reich Karls des Großen. Bereits im 8./9.
Jahrhundert war Magdeburg als Grenzort zu den slawischen Gebieten ein
wichtiger Marktplatz für die Fernhändler. Die Ersterwähnung
Magdeburgs als Magadoburg fällt in das Jahr 805 und steht
in Zusammenhang mit dem Diedenhofener Kapitular Karls des Großen.
Mit dieser Verordnung beabsichtigte der Herrscher, den Osthandel mit Slawen
und Awaren durch kaiserliche Beauftragte zu regeln. Die im Reformkapitular
genannten Orte von Bardowick im Norden bis Enns im Süden lagen an
damals schiffbaren Flüssen der Ostgrenze des Karolingerreiches sowie
im Schnittpunkt wichtiger, über das frühe Mittelalter hinaus
genutzter Überlandwege. Königliche Beauftragte überwachten
den Grenzhandel mit den rechtselbischen Gebieten. Aufgrund dieser schriftlichen
Überlieferung muss es sich um Orte gehandelt haben, an den Strukturen
zur Ausübung von Zentralgewalt existierten. Für den karolingerzeitlichen
Handelsplatz ist also zumindest ein Hof, eine Befestigung, ein Markt in
Flussnähe und ein Anlegeplatz vorauszusetzen. Da die im Diedenhofener
Kapitular genannten Orte offenbar recht bedeutend waren, ist eine frühere
Entstehung Magadoburgs unumstritten, die jedoch nach momentanem
Forschungsstand weder archäologisch noch historisch fassbar ist.
Ausgrabungen auf dem Magdeburger Domplatz stehen schon seit 1876 im Focus
der Stadtgeschichte, als man im Dom auf ältere Fundamente stieß.
Bereits seit diesen Pioniertagen der Magdeburger Archäologie vermuteten
Forscher die Keimzelle der mittelalterlichen Stadt auf dem Domplatz. Bestätigung
schien diese These durch die umfangreichen Grabungen E. Nickels zwischen
1959 und 1968 im Auftrag der Akademie der Wissenschaften zu Berlin gefunden
zu haben. Nickel legte nördlich des Domes zwei annähernd parallele
Spitzgräben frei, die zum Steilufer der Elbe ein Gebiet von 2 ha
umschlossen haben. Ausgehend von einer Kalksteinschicht, die Nickel mit
den Bautätigkeiten des frühen 10. Jahrhunderts verband, ordnete
er die tiefergelegenen Befunde – Grubenhäuser und Gräben
– in das 9. Jahrhundert ein. Bezogen auf die Ersterwähnung
Magdeburgs datierte er die Spitzgräben „historisch“ in
die Zeit Karls des Großen und deutete sie als Teil einer karolingerzeitlichen
Befestigung. Andere Forscher schlagen für die Gräben einen älteren,
im 6./7. Jahrhundert gelegenen Zeitansatz vor.
Während für die jüngere Bronzezeit und frühe Eisenzeit
eine dichte Besiedlung des Domfelsens nachgewiesen ist, fehlen archäologische
Nachweise für die Latènezeit. Aus der Römischen Kaiserzeit
sind nur wenige Scherben bekannt. Der Steilhang des Domgeländes zur
Elbe scheint erst jüngeren Datums zu sein, das Ufergelände ursprünglich
flacher zum Fluss zu verlaufen. Seit 1998 erfolgt die Auswertung der Magdeburger
Domplatzgrabung durch B. Ludowici im Rahmen eines interdisziplinären
Forschungsprojektes des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte
und Kultur Ostmitteleuropas e.V. Leipzig in Kooperation mit dem Kulturhistorischen
Museum Magdeburg. Bevor ihre Untersuchungen nicht abgeschlossen sind,
schwanken also die Angaben zur ältesten frühmittelalterlichen
Besiedlung des Domplatzes zwischen dem 6/7. und 9. Jahrhundert.
Literatur: G. Böttcher/G. Gosch, Magdeburg im 10.
Jahrhundert, in: M. Puhle (Hrsg.), Otto der Große, Magdeburg und
Europa. Bd.1 (Essays) (Mainz 2001) 403-416.
J. Schneider, Die Funde der Magdeburger Domgrabung. Mit einem Exkurs über
die frühmittelalterliche Magdeburger Gruppe. Jahresschrift für
mitteldeutsche Vorgeschichte 68, 1985, 297-338.
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