Holz
Magdeburg-Altstadt, Abfallgrube des St. Annen-Spitals
13.-16. Jahrhundert
Das mittelalterliche Magdeburg erlangte im 12./13. Jahrhundert seine historische
Ausdehnung, die es bis in das beginnende 19. Jahrhundert behalten sollte.
Mit der Kolonisierung im Osten und mit dem Magdeburger Stadtrecht, das
auf zahlreiche Neusiedlerstädte übertragen wurde, erlebte die
Elbestadt eine Blüte mit großer Ausstrahlungskraft auf den
Handel. Ende des 15. Jahrhunderts zählte die Hansestadt ca. 30.000
Einwohner und gehörte damit zu den größten des Heiligen
Römischen Reiches.
In der (fast) 1200jährigen urkundlich faßbaren Geschichte Magdeburgs
führten die großen einschneidenden Katastrophen von 1631 und
1945 zur Zerstörung der Stadt. Über 80 Prozent der mittelalterlichen
und renaissancezeitlichen Bausubstanz sind unwiederbringlich verloren.
Der Aufbau der Altstadt nach ihrer Zerstörung durch den Bombenangriff
des 2. Weltkrieges zog die Aufhebung des mittelalterlichen Straßengefüges
nach sich. Um so wichtiger sind die seit 1948 durchgeführten Stadtkerngrabungen,
mit denen das mittelalterliche Magdeburg greifbar wird. Als besonders
aufschlussreich zeigten sich Abfallgruben, die von existenzieller Bedeutung
für die Städte waren. Das Problem der Abfallbeseitigung versuchte
man durch die Einrichtung großer Kloaken lösen. Eine entsprechende
Fäkaliengrube wurde auf dem Gelände eines um 1200 bürgerlich
gegründeten Hospitals ausgegraben, die eine Fülle von Alltagsgegenständen
des 13.-17. Jahrhunderts zu Tage brachte. Auf die Fürsorgeeinrichtung
geradezu weisend sind zahlreiche Stöcke und Krücken der alten
und gebrechlichen Hospitalinsassen.
Literatur: Nickel, Ernst: Zur materiellen Kultur des
späten Mittelalters der Stadt Magdeburg. Zeitschrift für Archäologie
14 (1980), S. 1-60.
M. Puhle (Hrsg.), Erzbischof Wichmann (1152-1192) und Magdeburg im Hohen
Mittelalter (Magdeburg 1992)
H. Schwarzberg, Bemerkungen zu 50 Jahre archäologischer Stadtkernforschung
in Magdeburg. Archäologische Beiträge 1 (Halle 1998)
|
|