Knochenspatel in menschlicher Gestalt
 

Rinderknochen
Barleben, Ohrekreis
5000 v. Chr.

Bauern an der Elbe
Vor 8000 Jahren wurden die Menschen sesshaft. Für ihren Anbau und Viehzucht suchten die ältesten Bauern vorrangig die fruchtbaren Lößböden Mitteleuropas auf. Gehöfte und kleinere Siedlungen mit hölzernen Langhäusern entstanden. In Mitteldeutschland rechnet man mit etwa 1.600 bekannten Siedlungsstellen. Nach den charakteristischen Verzierungen ihrer Tongefäße wird die Kultur als Linienbandkeramik zusammengefasst. Ihre Kultur war im 6. Jahrtausend v. Chr. vom Pariser Becken im Westen bis in die Ukraine im Osten verbreitet. In Barleben, ca. 5 km nördlich von Magdeburg, entdeckten Archäologen bei Rettungsgrabungen Gruben der linienbandkeramischen Bauern. Daneben fanden sich Siedlungsspuren und Gräber weiterer jungsteinzeitlicher Kulturen und der Bronzezeit.

Wer waren ihre Götter? Gab es einen Ahnenkult?

Die Erschließung kultisch-religiöser Vorstellungswelten ohne schriftliche Zeugnisse bleibt häufig spekulativ. Menschliche Figuren aus Ton oder aus Knochen wie der Spatel mit abstrakter Darstellung aus Barleben waren vermutlich Kultgegenstände, die man verehrte. Ihre genaue Bedeutung entzieht sich zwar unserer Kenntnis, doch ist die anthropomorphe Darstellung ein Verbindungsglied nach Südosteuropa. Über den Balkan und das Karpatenbecken war die neue Lebensweise, die aus dem Vorderen Orient stammt, nach Mitteleuropa gelangt. Ob Siedler eingewandert sind oder die Idee der revolutionären Lebens- und Wirtschaftsweise weitergegeben wurde, ist noch ungeklärt. Nach Sachsen-Anhalt gelangte die Kenntnis des Ackerbaus und der Viehzucht über Österreich, Süddeutschland, Hessen und Niedersachsen.

Literatur: H. Lies, Eine neue Reliefplastik der Bandkeramik von Barleben, Kr. Wolmirstedt. Ausgrabungen und Funde 10, 1965, 10-14.
S. Ostritz/R. Einicke, Das Frühneolitikum in Mitteldeutschland. Archäologie in Sachsen-Anhalt 8, 1998, 14-22.