Römisches Kapitell
 

Marmor
Magdeburg, südlich des Domchores
Stadtrömisch, 2. Jahrhundert n. Chr.

Magdeburg – die königliche Stadt
Magdeburg, von Widukind von Corvey als „königliche Stadt“ bezeichnet, ist wie kein anderer Ort mit dem Leben und Wirken Ottos des Großen verbunden. Schon im Jahre 929 wurde Magdeburg von Otto dem Großen als Morgengabe für seine angelsächsische Gemahlin Edgith ausgesucht. Bald nach seiner Thronbesteigung 936 ließ er dort den Bau einer Pfalzanlage beginnen. Gleichzeitig leitete er mit der Gründung des Moritzklosters 937 die kirchliche Rangerhöhung Magdeburgs ein. Einer ersten Kirche, in der Königin Edgith bestattet wurde, folgte nach 955 ein noch stattlicherer Neubau. Gegen alle Widerstände setzte Otto der Große 968 die Gründung des Erzbistums Magdeburg durch.

Auch wenn die Herkunft der Bewohner Magdeburgs im einzelnen nicht bekannt ist, würde man sie heute als „international“ bezeichnen. Durch die Grenzlage gehörten hierzu Sachsen und Slawen. In den Schriftquellen werden auch jüdische Kaufleute genannt.

„Keimzelle“ des frühmittelalterlichen Magdeburgs war der heutige Domplatz, dessen Areal sowohl die vorottonischen Befestigungsanlagen als auch die ottonische Pfalz umfaßte. Zur Pfalz gehörten repräsentative Gebäude für weltliche und geistliche Zwecke, die den umherziehenden König mit seinem Hof aufnahmen. Spätestens ab 955 verfolgte Otto der Große den Plan, in Magdeburg ein Erzbistum einzurichten. Ein prächtiger Dombau entstand.

Von diesem Kirchenbau berichtet der Chronist Thietmar von Merseburg: Auch kostbaren Marmor, Gold und Edelsteine ließ der Caesar (Otto I.) nach Magdeburg schaffen. In alle Säulenkapitelle befahl er sorgsam Heiligenreliquien einzuschließen. Im heutigen Dom und seinen Anbauten haben sich zahlreiche römische antike Säulenschäfte und Kapitelle erhalten, die durch Otto den Großen nach Magdeburg gelangten und später in den Bau des gotischen Domes übernommen wurden.

Als Archäologen vor über 30 Jahren auf dem Domplatz auf Reste einer repräsentativen Anlage stießen, vermuteten sie, damit den Palast Ottos des Großen gefunden zu haben. Doch handelt es sich vielmehr um Reste eines Kirchengebäudes des 10. Jahrhunderts, das später – wohl im 12. Jahrhundert – durch einen noch größeren und monumentaleren Bau erweitert wurde. Die königlichen Repräsentationsgebäude, und damit auch der Palast, scheinen dagegen eher im Bereich des erzbischöflichen Sitzes südlich der heutigen Staatskanzlei gelegen zu haben.

Literatur: B. Ludowici, Ein neuentdeckter mittelalterlicher Kirchenbau in Magdeburg. Archäologisches Korrespondenzblatt 32, 2002, 281-293.
Dies., Die Pfalz Ottos des Großen, in: M. Puhle, (Hrsg.), Otto der Große, Magdeburg und Europa. Bd.1 (Essays) (Mainz 2001) 391-402.