Fibel mit Fuß in der Form eines Vogelkopfes
 

Bronze
Grab 2, Randau, Fundplatz „Die Berge“, Ldkr. Schönebeck
4.-3. Jahrhundert v. Chr.

Seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich in Norddeutschland eine eigene eisenzeitliche Kultur, die sog. Jastorf-Kultur, die während des 5./4. Jahrhunderts die Bevölkerungsgruppen an Elbe, unterer Saale und unterer Oder integrierte. Die Bezeichnung Jastorf-Kultur stammt von einem 1897 bei Bad Bevensen (Niedersachsen) entdeckten Gräberfeld. Ihre Siedlungen und Gräber lagen im Magdeburger Raum vorzugsweise auf den sandig-lehmigen Böden östlich der Elbe und in den Auelandschaften. Zu den größten ausgegrabenen Bestattungsplätzen im Mittelelbegebiet gehört das Gräberfeld von Randau. Neben 289 Brandgräbern - überwiegend Urnengräber mit einer Deckschale - entdeckte man auch 9 Körpergräber. In der Jastorf-Kultur herrschte die Sitte vor, die Toten zu verbrennen, so dass Körperbestattungen auf Einflüsse aus den keltisch geprägten Mittelgebirgslandschaften zurückzuführen sind.

Die wichtigsten Teile des metallenen Trachtzubehörs waren Gürtelhaken und Nadeln. Die Gürtel hielten vermutlich eine Hose oder einen Kittel zusammen, die Nadeln verschlossen ein Obergewand. Seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. verdrängte die Fibel mit Spiralkonstruktion die Nadel als Gewandschließe. Sowohl für die Form als für den Motivschatz standen keltische Vorbilder Pate, wie schon an der Vogelkopffibel aus Randau deutlich wird. Die von der keltischen Latène-Kultur ausgehenden Impulse zogen im 3./2. Jahrhundert v. Chr. starke Veränderungen auf technologischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene nach sich, an deren Ende eine Kultur stand, die die römischen Geschichtsschreiber im 1. Jahrhundert v. Chr. als Germanen bezeichneten.

Literatur: G. Böttcher/G. Gosch, Das Gräberfeld der vorrömischen Eisenzeit von Randau, Kr. Schönebeck. Ausgrabungen und Funde 34, 1989, 175-180.
H. Lies, Ein eisenzeitliches Gräberfeld bei Randau, Kreis Schönebeck. Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte 38, 1954, 157-195.
E. Schmidt-Thielbeer, Die Besiedlung der Landschaft östlich Magdeburgs von der Bronzezeit bis zur Frühgeschichte. Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte 54, 1970, 169-195.