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Textilien
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Bis zur Eröffnung des Kaiser Friedrich Museums 1906
hatte die historische Textilsammlung vermutlich schon beträchtliche
Ausmaße angenommen. Neben Objekten der bildenden und der angewandten
Kunst wurden seit ca. 1835 auch Dinge des täglichen Lebens gesammelt:
z.B. Kleidungsstücke, Accessoires, Handarbeiten, Spielzeug und Kleintextilien,
darunter eine zauberhafte Mustersammlung von Seidenbändern aus dem
18. Jahrhundert. Unter dem Begriff „Lebensweise", mit dem Kürzel
„L", bildeten sie einen Teil der späteren großen
Sammlung des Hauses. Dazu gehören Kleidungsstücke der gehobenen
Bevölkerungsschichten in Samt und Seide, Spitzen und Batist aus dem
frühen 18. Jahrhundert bis zur Zeit um 1900, ebenso eine große
Anzahl von Trachtenteilen aus verschiedenen Gegenden Deutschlands.
Die Mode- und Trachtenpuppen wurden wahrscheinlich in Manufakturen oder
in Heimarbeit nach grafischen Vorlagen hergestellt. Als "Tragekonstruktion"
für die Trachten
aus den verschiedenen Jahrhunderten wurden nach unserem Befund zum überwiegenden
Teil serienmäßig
hergestellte Holzgliederpuppen eingesetzt. Nur die Köpfe
und Hände sind individuell
gestaltet und bemalt. Wahrscheinlich wurden die Köpfe
der Kostümträger
als Rohstück geliefert
und von geschickten Heimarbeitern nachgeformt, wobei deren Familienangehörige
jeweils als Modell gedient haben könnten.
Nicht nur der Sonntagsstaat der Landbevölkerung
sollte gezeigt werden, vielmehr auch die Arbeitskleidung einzelner Berufsgruppen
in verschiedenen Regionen.
1896 und 1913 wurde der Fundus erweitert mit bedeutenden flämischen
Tapisserien, einer beachtlichen Sammlung von Spiel- und Trachtenpuppen
(118 Exemplare) und einer Stiftung von weiteren flämischen Tapisserien,
Raumtextilien und Paramenten:
- italienischen Seidenstickereien,
- Samtapplikationen auf Seide,
- Lasurstickereien und spätmittelalterliche und barocke Messgewänder
- türkische Gebetsteppiche des 19. Jahrhunderts.
Unter den bedeutenden Stiftern für das Magdeburger Museum sind zu
nennen:
- Selma Rudolph geb. Budenberg (1853 -1931)
- Alwine Arnold geb. Budenberg (1848 - 1907)
- Wilhelm (1846 -1900) und Albert Hauswaldt (1851-1909).
Beispiele für die Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts, die unter
Theodor Volbehr, dem damaligen Direktor, in die Sammlung gelangten:
- Otto Eckmann: „Schwanenteppich“ (1897), „Frühlingsteppich“
(1900, Kriegsverlust), gewebt in Scherrebeck
- Christian Rohlfs: Stickbild „Die
Königin und der Page“ (1913, Stiftung von Krupp v. Bohlen
und Halbach)
- Johanna Schuetz-Wolff: „Bildteppich mit neun Feldern“, (1921,
als entartet 1937 beschlagnahmt)
Ab 1975 wurden kontinuierlich Werke von Künstlerinnen und Künstlern
u. a. aus Berlin, Halle und Magdeburg erworben. Neben Applikationen, Seidenpatchworks
und Kleintextilien sind es vor allem die neunzehn großen Tapisserien,
welche zwischen den Jahren 1975 und 1979 für die Konzerthalle „Georg
Philipp Telemann“ im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen“
unter dem Thema „Musik“ in Auftrag gegeben wurden.
Die Gesamtzahl der textilen Objekte in der Sammlung beträgt ca. 1.250
Stück. |
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