Eine Barockkrippe aus Tirol
 

Im Vordergrund sitzt in den Ruinen eines armseligen Stalles, der sich an den hohen Pfeiler eines Arkadengangs schmiegt, das heilige Paar mit dem Jesusknaben. Um die morschen Bretter des Daches schweben die Engel der Verkündigung, und von rechts und links her kommen die Hirten vom Felde und bringen ihre Gaben dar. Das weite Rund des Hintergrundes aber zeigt hinter dem üppigen Gerank südlicher Bäume stattliche Gebäude und ragende Berggipfel, über die der Mond sein blaues Licht gießt. Und wenn man ganz nahe herzutritt und mit vorgestrecktem Kopf in die Arkaden nach links und rechts hineinblickt, dann sieht man in schier endlose Tiefen hinein, aus denen einsame Wanderer nach vorwärts schreiten, wohl angelockt von dem rätselhaften goldenen Lichtschein der heiligen Gruppe inmitten des kühlen Mondscheins und von dem Gesang der himmlichen Heerscharen.

Dieses überaus prächtige Werk stammt aus dem Posthalterhause des Dorfes Schönberg bei Innsbruck und ist ein treffliches Beispiel für die Weihnachtskrippen, die im 17. Jahrhundert und vor allem im
18. Jahrhundert in Tirol geschnitzt und mit unendlicher Liebe zusammengestellt wurden.

Theodor Volbehr, Eine Tiroler Weihnachtskrippe, Museumsheft 33, o.J.,
Text des Nachdruckes von 1991