Bürgermeister
Otto von Guericke hatte sich als Abgesandter Magdeburgs auf den Friedenskongressen
in Münster und Osnabrück und auf Reichstagen für die Wiederherstellung
alter Vorrechte und städtische Unabhängigkeit eingesetzt. Doch
1666 übernahm Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große
Kurfürst, die Vorherrschaft über die Altstadt Magdeburg. Er
ließ Truppen in das Erzstift einmarschieren, und unter Androhung
von militärischer Gewalt mussten die Magdeburger im Vertrag von Kloster
Berge eine Garnison hinnehmen. Nach dem Ableben des sächsischen Administrators
August 1680 wurde der brandenburgische Anspruch auf Stadt und Erzstift
auch rechtlich eingelöst.
Magdeburg profitierte von der kameralistischen Wirtschaftspolitik des
neuen Landesherrn. Der Kurfürst förderte die Ansiedlung französischer
Glaubens-flüchtlinge, die mit den Produkten der Textilmanufakturen
oder des Tabakanbaus neue Einnahmequellen erschlossen. Sein Hauptinteresse
galt jedoch dem Ausbau Magdeburgs zu einem Eckpfeiler der Landes-verteidigung.
Schon 1680 begann der Bau einer mächtigen Zitadelle auf dem Werder.
Dem Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau, 1701 zum Gouverneur von Magdeburg
ernannt und bis 1747 im Amt, gelang eine überzeugende Verbindung
zwischen der städtischen Befestigung und der städtischen Erneuerung.
Festungsbaumeister Cornelius Wallrave schuf eine weitausgreifende zweite
Umwallung. Im Süden der Stadt entstand
ein neuer Festungsbau auf dem Gelände des Klosters Berge, der vierzackige
„Stern“. Das Gebiet der Altstadt war nun von einem fast doppelt
so großen Festungsgelände umgeben.
Die Ingenieur-Offiziere waren jedoch auch an dem Ausbau Magdeburgs zur
barocken Bürgerstadt beteiligt. Baumeister Heinrich Schmutze entwarf
nach italienischen Vorbildern das 1713 vollendete Rathaus, Festungsbauer
Preußer schuf bis 1731 einen dreistöckigen Packhof mit repräsentativer
Barockfassade an der Elbe, und am Neuen Markt bildeten die Schauseiten
herrschaftlicher Häuser einen umbauten Residenzplatz.
Franzosenzeit und Befreiungskriege
Unter dem Ansturm Napoleons auf die Vorherrschaft in Europa legte Kaiser
Franz II. 1806 als letzter Monarch des Heiligen Römischen Reiches
Deutscher Nation die Kaiserwürde nieder. In Magdeburg entschloss
sich Gouverneur Franz Kasimir von Kleist zur kampflosen Übergabe.
Der Widerstand gegen die französische Besetzung entfachte jedoch
bald neue patriotische Begeisterung. 1813 errangen preußische Truppen
und deren Verbündete in der Völkerschlacht von Leipzig den vorentscheidenden
Sieg.
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