Home  
Suche
Kontakt
International
Kulturhistorisches Museum
 
Service Ausstellungen Sammlungen Highlights Veranstaltungen Archiv Wir ueber Uns
E-Cards
Zeitachse
Museumsquiz
Photogalerie
 
     

Kaiser-Otto-Saal
jgigugigugiug

 

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Als das Kaiser Friedrich Museum der Stadt Magdeburg am 16. Dezember 1906 eröffnet wurde, ahnte niemand etwas von den Auf- und Abbewegungen, die das 20. Jahrhundert bereithalten würde. Auch die spätere Umbenennung des Museums in "Kulturhistorisches Museum" lag außerhalb des Denkbaren.

Im 2. Weltkrieg wurde das Museum und auch der Magdeburger Saal mit seinem monumentalen Kampf'schen Wandgemälde schwer beschädigt.
Das Kulturhistorische Museum nahm im Laufe der Zeit mehrere hunderttausend Funde der archäologischen Grabungen der fünziger und sechziger Jahre auf. Der Raum wurde zusätzlich verknappt, weil im Magdeburger Saal ein Technik- bzw. Maschinensaal eingerichtet wurde. Der Einbau einer Zwischendecke in diesem Saal schuf zusätzlich Raum, veränderte aber seinen räumlichen Charakter erheblich und nahm den Untergang des Monumentalgemäldes von Arthur Kampf in Kauf.

Die museumskundigen Magdeburger fanden sich mit dieser Lösung jedoch nicht ab, sondern begannen kurz nach der Wende 1989 über die "Rekonstruktion des Magdeburger Saales" nachzudenken. Erst jedoch die Entscheidung im Jahr 1997, eine Otto-der-Große-Ausstellung im Kulturhistorischen Museum durchzuführen, machte den Weg für eine große Teile des Museums erfassende Sanierung frei. Im Zentrum dieses Bauvorhabens stand zwangsläufig der Magdeburger Saal. Die Restaurierung des Kampf'schen Wandgemäldes war aus verschiedenen Gründen eines der am schwierigsten zu lösenden Probleme.

Am 27. März 2001 wurde der Magdeburger Saal durch den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Magdeburg in "Kaiser-Otto-Saal" umbenannt und eingeweiht. Die Umbenennung bot sich an, weil die beiden herausragenden Kunstwerke dieses Saales, das Monumentalgemälde von Arthur Kampf und der Magdeburger Reiter, sich auf Otto den Großen beziehen. Zum anderen befindet sich nun auch die Gruft vom Magdeburger Domplatz im Kaiser-Otto-Saal.

Geschichte aus dem Untergrund das gemauerte Grab einer herausragenden Persönlichkeit aus der ottonischen Pfalz vom Magdeburger Domplatz

„Keimzelle“ des frühmittelalterlichen Magdeburgs war der heutige Domplatz, unter dem die ottonische Pfalz verschüttet liegt. Pfalzen waren herrschaftliche „Reisestationen“ deutscher Könige und Kaiser, die keine feste Residenz besaßen, sondern durch ihr Land reisten. Nach entdeckten Resten von Befestigungsgräben umfasste der Pfalzbezirk in Magdeburg eine Fläche von ca. 12 ha zwischen dem heutigen Kloster Unser Lieben Frauen und einem Bereich südlich des gotischen Domes.

Als Archäologen vor über 30 Jahren auf dem Domplatz auf Reste einer repräsentativen Anlage stießen, vermuteten sie, den Palast Ottos des Großen gefunden zu haben. Doch handelt es sich vielmehr um Reste eines Kirchengebäudes des 10. Jahrhunderts, das im 12./13. Jahrhundert ausgebaut wurde. Die "steinerne Gruft" – wenige Zentimeter südlich des älteren Kirchenbaus und minutiös auf ihn ausgerichtet – ist ohne diese „Kirche“ nicht denkbar. Aus der Lage, Bauweise und Größe des gemauerten Grabes ist auf eine hochgestellte Persönlichkeit der ottonischen Zeit zu schließen, die im Pfalzbezirk Kaiser Ottos des Großen bestattet wurde.

In der steinernen Gruft befanden sich die Fragmente eines Holzsarges mit den Resten eines menschlichen Skeletts. Naturwissenschaftliche Untersuchungen ergaben, daß die Beisetzung des Toten wohl noch zu Lebzeiten des Kaisers erfolgte. Die Gruft war nie als ein freistehendes repräsentatives Grabmonument geplant. Es handelt sich vielmehr um die gemauerte Auskleidung der Grabgrube. Dementsprechend war der verwendete Schillkalk, Sandstein und Travertin Ausschuss, das Mauerwerk flüchtig ausgeführt. Die Seile, mit denen der Sarg in die Gruft hinabgelassen wurde, haben sich im damals noch feuchten Mörtel abgedrückt.

„Den Leib des bewährten Grafen Christian und anderer Vertrauter ließ er [Otto I.] neben der Kirche bestatten, in der er sich selbst schon zu Lebzeiten die Grabstätte zu bereiten wünschte.“ (Thietmar von Merseburg, 1008-1019)

Ohne in Schriftquellen aufgeführte Personen mit der Gruft vom Domplatz verbinden zu wollen, stimmt die archäologische Entdeckung mit dem Bericht Thietmars insofern überein, als Otto I. die Großen des Reiches aus seinem Umfeld aufforderte, sich in Magdeburg bestatten zu lassen.

Drei Wandbilder aus dem Leben Ottos des Großen

Arthur Kampf, 1906, restauriert 1999-2000

Das Wandgemälde ist das einzige erhaltene Monumentalwerk Arthur Kampfs (1864-1950), der im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zu den geschätztesten Vertretern der wilhelminischen Hofkunst gehörte. Das Gemälde stellt drei Szenen aus dem Leben Ottos des Großen dar.

Das linke Bild zeigt den Herrscher als jungen Mann mit seiner ersten Gemahlin Edgith (Editha) auf den Befestigungsanlagen Magdeburgs. Das zentrale Bild führt ihn in mittlerem Alter als Schlachtensieger vor Augen. Hoch zu Roß kehrt er von einem Feldzug gegen die Slawen nach Magdeburg zurück. Im rechten Bild erscheint er als alter Mann gemeinsam mit seiner zweiten Frau Adelheid betend am Grabe Edgiths. Er wird begleitet von seinem Sohn, Otto II., und dessen byzantinischer Gemahlin Theophanu.

Vor allem das große Mittelbild spiegelt in der Darstellung von Sieger und Besiegten das imperialistische Großmachtstreben des wilhelminischen Kaiserreiches wider, das schließlich in den 1. Weltkrieg führte. In der Zeit der Weimarer Republik schloß sich der Maler Arthur Kampf den Nationalsozialisten an und entwickelte sich in der Folge zu einem der begehrtensten Künstler der nationalsozialistischen Diktatur. In der Nachkriegszeit wurde das stark kriegsgeschädigte Wandgemälde zunächst verhängt, später unter Putz verborgen und durch den Einzug einer Zwischendecke noch weiter zerstört.

Im Zuge des Museumsumbaus in den Jahren 1998 bis 2001 wurde der Kaiser-Otto-Saal in seiner ursprünglichen Gestalt wiederhergestellt und auch das Wandgemälde restauriert. Wie kein anderes Werk des Museums spiegelt es in seinem wechselhaften Schicksal die Geschichte Magdeburgs und Deutschlands im 20. Jahrhundert wider.

Magdeburger Reiter

Magdeburg, Mitte 13. Jahrhundert

Das Reiterdenkmal, das sich ursprünglich auf dem Alten Markt in Magdeburg befand, ist das erste erhaltene freiplastische Reiterstandbild seit dem Ausgang der Antike. Durch seine Aufstellung vor dem Gerichtsplatz am Rathaus hatte es zugleich den Charakter eines Rechtsdenkmals von hohem Rang, in dem die vom Kaiser verliehene Gerichtshoheit sinnbildlich zum Ausdruck kam.

Das Standbild zeigt einen jugendlichen Herrscher zu Pferd, begleitet von zwei weiblichen Gestalten, von denen die eine ein Schild, die andere eine Fahne trägt. Die Darstellung knüpft an die Tradition mittelalterlicher Herrscherbilder mit Tugenden und Personifikationen an, wie sie vor allem aus karolingischer und ottonischer Zeit mehrfach überliefert sind. Doch muß die Identifizierung des dargestellten Herrschers und der beiden weiblichen Figuren offen bleiben.

In der lokalen Überlieferung wird der Reiter zumeist mit Kaiser Otto dem Großen in Verbindung gebracht. Künstlerisch verbindet sich das Reiterstandbild mit einer Reihe von Werken, die um die Mitte des 13. Jahrhunderts für die Ausstattung des Magdeburger Doms entstanden sind und offenbar aus einer für den Dombau tätigen Werkstatt stammen.

Das Museumsheft (Nr. 15) zu diesem Thema ist in unserem Museumsladen erhältlich. Einen ausführlichen Artikel zur Gruft vom Domplatz finden Sie in unserem Archiv unter dem Titel "Geschichte aus dem Untergrund."

 

Copyright Kulturhistorisches Museum Magdeburg. Bei Fragen und Problemen wenden sie sich bitte an den Webmaster.
Design und Programmierung Jana Richter, Programmierung Axel Panning.