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16. Januar 1945
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Der 2. Weltkrieg, den Deutschland mit seinem Einmarsch in Polen am
1. September 1939 begann, kehrte sich mit zunehmender Dauer gegen Deutschland selbst und endete mit dem Untergang zahlreicher alter deutscher Städte. Mit dem Kriegsende brach auch die Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus, die 1933 begonnen hatte, zusammen. Der Tag der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 wird daher zu Recht auch als Tag der Befreiung vom Nazi-Terror angesehen. Das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte ist damit – hoffentlich – für immer zugeschlagen worden. Unfassbar bleibt auch heute noch, beinahe 50 Jahre nach Kriegsende, der millionenfache Völkermord an Juden, Sinti und Roma und der Mord an politisch und moralisch andersdenkenden Menschen sowie der Mord an kranken Menschen, der aus der Mitte Europas, aus der alten Kulturnation Deutschland hervorgegangen ist. Das Maß an Verrohung, Brutalität und kalter Berechnung übersteigt jedes Vorstellungsvermögen.

Der „totale Krieg", von den Nazis gegen Ende des Krieges als letzte verzweifelte Parole verkündet, zog millionenfaches Leid nun auch für die Zivilbevölkerung Deutschlands nach sich. Eine Stadt nach der anderen ging im Bombenhagel unter. Eine der Städte, die es am härtesten traf, war Magdeburg. Die Stadt versank nach vielen vorhergehenden Bombenangriffen am 16. Januar 1945 in Schutt und Asche. Es war die zweite vollständige Zerstörung Magdeburgs nach dem Untergang der Stadt im Dreißigjährigen Krieg (1631). Kaum eine andere Großstadt in Deutschland weist eine derartig gebrochene Geschichte auf. Zu den vielen Menschen, die 1631 und 1945 umkamen und verletzt wurden, tritt der Verlust eines über Jahrhunderte gewachsenen Stadtbildes sowie ein durch Ausbrennen bedeutender Archive und die Plünderung von Kunstschätzen bewirkter Geschichtsverlust von ungeheurem Ausmaß. Was vor gut 350 Jahren und vor 50 Jahren jeweils nur wenige Stunden, ja Minuten dauerte, brachte eine stolze und bedeutende Stadt um Jahrhunderte des Fortschritts und der kulturellen Blüte.

Dieses in der Ausstellung zu dokumentieren, ist nahezu unmöglich. Deshalb kann die Ausstellung „’Dann färbte sich der Himmel blutrot’... – Die Zerstörung Magdeburgs am 16. Januar 1945“ die Ereignisse an diesem Tag und ihre Auswirkungen nur erahnen lassen. Wir hielten es außerdem für notwendig, die Entwicklung in der Weimarer Republik und im 3. Reich so weit zu skizzieren, daß der Bombenangriff des 2. Weltkriegs in seinen Ursachen nachvollziehbar wird. Die Zerstörung Magdeburgs wie auch anderer deutscher Städte vollzog sich zwar im 2. Weltkrieg, hatte aber ihren Ursprung in dem Beginn der Nazi-Herrschaft im Jahr 1933.
Die Besucher der Ausstellung erhalten – so hoffen wir – Einblicke in eine schicksalhafte Epoche Magdeburgs, die nicht nur traurig stimmen, sondern Hoffnung auf eine bessere Zukunft vermitteln sollen.

Dr. Matthias Puhle
Ltd. Direktor der Magdeburger Museen