Zur Ausstellung
Der 2. Weltkrieg, den Deutschland mit seinem
Einmarsch in Polen am
1. September 1939 begann, kehrte sich mit zunehmender Dauer gegen
Deutschland selbst und endete mit dem Untergang zahlreicher alter
deutscher Städte. Mit dem Kriegsende brach auch die Schreckensherrschaft
des Nationalsozialismus, die 1933 begonnen hatte, zusammen. Der
Tag der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 wird daher zu Recht
auch als Tag der Befreiung vom Nazi-Terror angesehen. Das dunkelste
Kapitel deutscher Geschichte ist damit – hoffentlich –
für immer zugeschlagen worden. Unfassbar bleibt auch heute
noch, beinahe 50 Jahre nach Kriegsende, der millionenfache Völkermord
an Juden, Sinti und Roma und der Mord an politisch und moralisch
andersdenkenden Menschen sowie der Mord an kranken Menschen, der
aus der Mitte Europas, aus der alten Kulturnation Deutschland hervorgegangen
ist. Das Maß an Verrohung, Brutalität und kalter Berechnung
übersteigt jedes Vorstellungsvermögen.
Der „totale Krieg", von den Nazis gegen Ende des Krieges
als letzte verzweifelte Parole verkündet, zog millionenfaches
Leid nun auch für die Zivilbevölkerung Deutschlands nach
sich. Eine Stadt nach der anderen ging im Bombenhagel unter. Eine
der Städte, die es am härtesten traf, war Magdeburg. Die
Stadt versank nach vielen vorhergehenden Bombenangriffen am 16.
Januar 1945 in Schutt und Asche. Es war die zweite vollständige
Zerstörung Magdeburgs nach dem Untergang der Stadt im Dreißigjährigen
Krieg (1631). Kaum eine andere Großstadt in Deutschland weist
eine derartig gebrochene Geschichte auf. Zu den vielen Menschen,
die 1631 und 1945 umkamen und verletzt wurden, tritt der Verlust
eines über Jahrhunderte gewachsenen Stadtbildes sowie ein durch
Ausbrennen bedeutender Archive und die Plünderung von Kunstschätzen
bewirkter Geschichtsverlust von ungeheurem Ausmaß. Was vor
gut 350 Jahren und vor 50 Jahren jeweils nur wenige Stunden, ja
Minuten dauerte, brachte eine stolze und bedeutende Stadt um Jahrhunderte
des Fortschritts und der kulturellen Blüte.
Dieses in der Ausstellung zu dokumentieren, ist nahezu unmöglich.
Deshalb kann die Ausstellung „’Dann färbte sich
der Himmel blutrot’... – Die Zerstörung Magdeburgs
am 16. Januar 1945“ die Ereignisse an diesem Tag und ihre
Auswirkungen nur erahnen lassen. Wir hielten es außerdem für
notwendig, die Entwicklung in der Weimarer Republik und im 3. Reich
so weit zu skizzieren, daß der Bombenangriff des 2. Weltkriegs
in seinen Ursachen nachvollziehbar wird. Die Zerstörung Magdeburgs
wie auch anderer deutscher Städte vollzog sich zwar im 2. Weltkrieg,
hatte aber ihren Ursprung in dem Beginn der Nazi-Herrschaft im Jahr
1933.
Die Besucher der Ausstellung erhalten – so hoffen wir –
Einblicke in eine schicksalhafte Epoche Magdeburgs, die nicht nur
traurig stimmen, sondern Hoffnung auf eine bessere Zukunft vermitteln
sollen.
Dr. Matthias Puhle
Ltd. Direktor der Magdeburger Museen
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