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Archäologie
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Die Anfänge der archäologischen
Sammlung gehen auf Privatinitiativen Magdeburger Gelehrter des 19. Jahrhunderts
zurück. 1866 gründete sich der "Verein für die Geschichte
und Alterthumskunde des Herzogthums und Erzstiftes Magdeburg". Ihre
Mitglieder übergaben der Stadt im späten
19. Jahrhundert bedeutende Sammlungen prähistorischer Funde. Grundstock
bildeten die Sammlungen von Prof. Friedrich Wiggert (1791-1871) und Dr.
Heinrich W. Schultheiß (1810-1876). 1893 übernahm das spätere
Museum für Naturkunde und Vorgeschichte die archäologischen
Funde.
Neben dem Erwerb regionaler Funde konzentrierte sich das
Naturkundliche Museum in seinem Ankauf auf europäisches Material
aus Frankreich, der Rhein-Mosel-Region, aus Ungarn, Mähren und Italien.
Eine entscheidende Wende war die Mitarbeit von Carl Engel (1895-1947)
in den Jahren 1925-1929, der die vorgeschichtlichen Ausstellungsräume
neu präsentierte und 1926 die 10. Tagung für Vorgeschichte in
Magdeburg organisierte. Alfred Bogen, Direktor des Museums für Naturkunde
und Vorgeschichte von 1931 bis 1944, legte einen umfassenden Hauptkatalog
mit ca. 10.500 Inventarnummern an. Dramatisch war dessen Vernichtung bei
Kriegsende, weil damit ca. 60 % der Objekte nicht mehr erfaßbar
sind.
Nach der Zerstörung seines Gebäudes in der Bombennacht
vom
16. Januar 1945 bezog das Museum für Naturkunde und Vorgeschichte
1947 Ausstellungsräume im Kulturhistorischen Museum, das die archäologischen
Funde in den 50er Jahren in seinen Bereich übernahm. Den Aufbau der
heutigen Sammlung mit ihren nahezu 400.000 Stücken ist Gert Böttcher,
Gerhard Gosch und dem ehrenamtlichen Mitarbeiter Hans Lies (1900-1981)
zu verdanken.
1948 erhielt das kriegszerstörte Magdeburg die Chance, Pilotprojekt
der archäologischen Stadtkernforschung in der Berliner Akademie der
Wissenschaften zu werden. Der Wiederaufbau der Stadt wurde mehr als
20 Jahre lang unter Leitung von Ernst Nickel (1902-1989) gezielt archäologisch
begleitet. Ergebnis der ca. 150 Maßnahmen ist eine herausragende
Sammlung, mit der einerseits die urgeschichtliche Besiedlung des Magdeburger
Raumes faßbar, anderseits die Blüte und Bedeutung des mittelalterlichen
Magdeburgs (lesen Sie dazu auch Sammlung Mittelalter)
widergespiegelt wird. Prominenter Neuzugang aus den Großgrabungen
nach 1989 ist ein gemauertes Fürstengrab (lesen Sie dazu auch Kaiser-Otto-Saal,
oder den Artikel "Die Gruft vom Magdeburger
Domplatz") aus dem Pfalzbereich Ottos des Großen (936-972),
das seit Mai 2002 im Kaiser-Otto-Saal des Kulturhistorischen Museums zu
sehen ist. Durch die einschneidenden Zerstörungen des Dreißigjährigen
Krieges und zuletzt 1945 sind die archäologischen Objekte die unmittelbaren
Zeitzeugen von “untergegangenen” Epochen der Stadtgeschichte.
Auch Material von Fundplätzen der umliegenden Landschaften rechts
und links der Elbe sind im Kulturhistorischen Museum magaziniert. Am östlichen
Elbufer auf dem Taubenberg in Wahlitz, Landkreis Jerichower Land, fand
von 1950-55 eine der ersten archäologischen Großgrabungen der
DDR statt. Zu den wichtigen Komplexen zählt das von Gert Böttcher
in den 70/80er Jahren ausgegrabene eisenzeitliche Gräberfeld von
Randau, Landkreis Schönebeck, mit 298 Urnen- und Körpergräbern.
Eine Besonderheit im Magdeburger Raum sind Baggerfunde aus Kieswerken,
die zwischen Elbe und Steilufer großflächig Flussablagerungen
zur Baustoffgewinnung abbauen. Der archäologischen Kiesausbeute ist
eine Sammlung altsteinzeitlicher Steingeräte über Depotfunde
der jüngeren Bronzezeit bis zu römischem Bronzegeschirr und
mittelalterlichen Gefäßen zu verdanken.
In ihrer Zusammensetzung und Qualität gehört die archäologische
Sammlung des Kulturhistorischen Museums Magdeburg zu den bedeutendsten
Beständen in Sachsen-Anhalt. Die Funde geben einen Überblick
über ca. 200.000 Jahre Menschheitsgeschichte: vom Auftreten des Neandertalers
bis zum Spätmittelalter und in die frühe Neuzeit (näheres
dazu: Zeitachse). Sie stammen überwiegend
aus dem Regierungsbezirk Magdeburg; der räumliche Schwerpunkt liegt
im Stadtgebiet Magdeburg und im Bereich der angrenzenden Landkreise Jerichower
Land, Landkreis Schönebeck, Bördekreis und Ohrekreis.
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